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Sonstige Nachrichten - Dienstag, den 5 Februar 2019

„Ich unterrichte Nephrologie, als wäre sie ein Detektivroman”

Laut studentisches Abstimmens hat Dr. med. Gergõ Molnár, ordentlicher Professor der Zweiten Klinik für Innere Medizin – nephrologisches Zentrum, letztes Jahr zum sechsten Mal den Preis „Ausgezeichneter Praktikumsleiter“ gewonnen. In diesem und im letzten akademischen Jahr hat er auch die Romhányi Plakette für seine ausgezeichneten Vorlesungen erhalten. Für ihn sind diese Rückmeldungen sehr wichtig, um in der Zukunft als Dozent, Kliniker und Forscher in allen seinen Aufgaben weiterhin gute Leistung bringen zu können.

 

Ein Schreiben von Rita Schweier 

 

- Wir sind in einem solchen Raum in Ihrer Klinik, wo es auch eine Tafel und Kreide für Bildungszwecke vorhanden sind. benutzen Sie diese heutzutage als altmodisch geltenden Mittel noch?

- Manchmal, aber schon, meistens beim Unterricht des Faches Nephrologie. Ich lasse meine Studenten oft Papier und Kugelschreiben benutzen und manchmal zeichne ich Abbildungen in ihren Heften. Ich halte es für wichtig, dass sie in den Praktika Notizen machen, da es Spuren hinterlässt. Die meisten Studierenden kommen mit Tablet und Handy zum Unterricht, oft machen sie Fotos von den Abzeichnungen an der Tafel, sie machen Tonaufnahmen oder machen Notizen auf der modernen Weise.

- Ich schätze, Sie unterrichten meistens neben dem Krankenbett.

- Ja, da es hier um ein klinisches Fach handelt. In Innerer Medizin unterrichten erstmal Propädeutik, wo die Studierende lernen müssen, wie sie die Patienten befragen und untersuchen. Natürlich geschieht all das neben dem Krankenbett in kleinen Gruppen. Wir führen den Studierenden die einzelnen Schritte vor, sie ahmen sie nach, damit sie mit durch viel Übung auch erhalten bleiben. Beim Unterricht der Nephrologie und Diabetologie wird die Patientenuntersuchung weniger betont, da ist die Interpretation der Krankheit der untersuchten Patienten wichtiger, also wie man sie diagnostizieren kann, und sie von anderen Krankheiten unterscheiden kann. Darüber hinaus haben wir auch Konsultationen für die Studierende des PJs, die meistens theoretisch ist, also wo wir die wichtigsten Krankheitsbilder des Alltags besprechen und auf die Prüfung fokussieren. Des Weiteren habe ich auch Vorlesungen.

- Gibt es einen Unterschied im Unterricht von Nephrologie und Diabetologie?

- Er ist in Mitteln und Methodik einheitlich, nur in Stundenzahl gib es einen Unterschied: Diabetologie wird sowohl durch Vorlesung als auch durch Praktikum vier Wochen lang unterrichtet, Nephrologie wird durch die ganzen 14 Wochen unterrichtet.

- Wie wird eine Unterrichtseinheit in Nephrologie gestaltet?

- Neben dem Krankenbett stellen die Studierende alle Fragen bzgl. der Patienten. Danach gehen wir in einen der Unterrichtsräume, wo wir die Resultate der Patienten, die Werte der Untersuchungen detailliert besprechen, wir erforschen wie wir all das erfahren haben und was wir noch vornehmen müssen, welche Prognose der Patient hat. es gibt Informationen, die wir nicht vor dem Patienten besprechen, weil unsere Krankenzimmer von mehreren Patienten bewohnt sind.

- Welche Erwartungen haben Sie den Studierenden gegenüber?

- Wir haben Minimumanforderungen, die aus der Kenntnis der Grundsyndrome, bzw. deren diagnostischen Kriterien, und aus die Erkenntnis der häufigsten nephrologischen Krankheitsbilder bestehen. Darauf basieren wir weitere Kenntnisse und Wissen, die die Ganzheit der Inneren Medizin erfasst. Ein Patient hat normalerweise nicht nur eine nephrologische Krankheit, sondern weitere drei-vier Begleitkrankheiten, die genauso besprochen werden müssen. Grundsätzlich unterrichten wir also Innere Medizin mit hervorgehobenen Schwerpunkten. Diabetologie ist auch ein schnellst entwickelndes Gebiet der Medizin, es gibt viele Patienten und eine breite Palette an Medikamenten, deshalb versuchen wir zu erforschen, wie wir das Fach in der Zukunft in mehreren Kontaktstunden unterrichten können.

- Seit wann unterrichten Sie?

- Als PhD Student im Vollzeitstudium hatte ich bereits die Möglichkeit bekommen, mich in diesem Gebiet auszuprobieren, wofür ich sehr dankbar bin. Danach war ich im Ausland, aber seit meiner Rückkehr in 2007 unterrichte ich ununterbrochen, also seit fast 12 Jahren. Ich liebe unterrichten und die Studierende fühlen es an mir.

- Hatten Sie einen Mentor?

- Ja, sogar mehrere. An unserer Klinik war die Lehrtätigkeit immer sehr wichtig, auch die Vorlesungen unseres Gründers, Prof. Dr. Artúr Hámori waren berühmt. Während meiner Tätigkeiten im Wissenschaftlichen Studentenkreis haben Prof. István Wittman und Prof. Judit Nagy mit beigebracht, wie man eine Vorlesung halten soll, sie haben sich sehr viel mit mir beschäftigt. Von meinen Mentoren habe ich viel Tricks und Methoden erlernt, die habe ich in meine Unterrichtsmethoden eingebaut. Das Schwierigste ist jedoch, dass keiner von uns als Pädagoge qualifiziert ist, also ist die Rückmeldung unserer Studierende überaus wichtig für uns, diese überzeugt uns davon, dass wir es richtig tun. Es ist ja auch nicht sicher, dass es in jedem Fach ähnlich richtig ist.

An unserer Klinik legen wir viel Wert auf Interaktivität und auch auf Kleingruppenunterricht, um effektiver zu sein. Wir halten es für wichtig, ständig zu kontrollieren, ob wir verständlich waren, ob die Studierende die Zusammenhänge selbst erkannt haben, ob sie selber Dinge erkannt haben, da diese tiefer und für länger erhalten bleiben. Ich unterrichte Nephrologie als wäre sie für die Studierende ein Detektivroman. Der Patient kommt rein, erzählt seine ersten paar Beschwerden, anhand dieser versuchen wir mehr Information darüber zu bekommen und am Ende finden wir die Wurzel des Problems. Im Alltag funktioniert es natürlich nicht so, aber im Unterricht passt es perfekt, da die Studierende zur Aktivität motiviert sind und es auch schön schildert, wie man zum Ende eines Verfahrens gelangt. Ich finde, die Studierende mögen es so.

- Ein Dozent wirkt und motiviert auch mit seiner Persönlichkeit. Haben Sie sich mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt?

- Ich würde eher so formulieren, dass ich es versucht habe, meine Unterrichtskompetenzen zu entwickeln. Heutzutage gibt es viele Methoden in organisierter Form dafür. Wir halten viele Vorlesungen in wissenschaftlichen Foren, wo wir unsere Fertigkeiten bzgl. Vorlesungen messen können.

- Obwohl Sie den Preis „Ausgezeichneter Praktikumsleiter“ letztes Jahr zum sechsten Mal bekommen haben, lehnen Sie sich nicht zurück, denke ich, da Sie sich in Ihrem Beruf immer erneuern müssen, und es kommen immer neue Studierende, mit denen Sie den gemeinsamen Ton finden müssen.

- Tatsächlich muss man auf die Studierende einzeln aber auch in den Gruppen achten, da ihre Kenntnisse unterschiedlich sind, auch in ihren Persönlichkeiten und Bedürfnissen unterscheiden sie sich, was von uns unterschiedliche Kommunikation verlangt. Jedes Mal ändert sich der Ton, die Atmosphäre, und der Stil. Die Erweiterung unserer Fachkenntnisse ist auch unentbehrlich, da es immer neue Medikamente und Therapien erscheinen, womit wir auch immer im Klaren sein müssen, also wir können uns nicht zurücklehnen. Trotz langjähriger Routine ist der fremdsprachliche Unterricht nicht einfach. In meinem Fall ist er vor allem auf Deutsch. Zum Glück sind wir an der Klinik mehrere, die auf Deutsch unterrichten. Aber es bedeutet eine größere Herausforderung, Medizin auf dieser Sprache zu unterrichten, als auf Englisch, weil das Fachvokabular wegen der wenigen lateinischen Wörter schwieriger zu erlernen ist. Zum Glück arbeiten wir eng mit dem Institut für Fremdsprachen zusammen, die dortigen Kollegen helfen nicht nur uns, sondern den Studierenden auch sehr viel, einerseits die Sprachkenntnisse zu erhalten, andererseits aber wirken sie dabei mit, Demonstratoren für den Unterricht auszubilden.

Für mich ist es jedoch schmerzhaft, dass ich mich nur mit wenigen ungarischen Studierenden beschäftigen kann. Es gibt Tage, wo nach zweimal anderthalb Stunden Praktika noch eine anderthalbstündige Vorlesung kommt und dann ab ins Labor und danach auf die Station. Es gibt viel zu tun, deshalb ist es ein schönes Gefühl, wenn ich positives Feedback bekomme, und meine Arbeit anerkannt wird. Es stärkt meine Überzeugung, dass meine Arbeit wertvoll ist. Unsere Klinik gehört zu den besten Bildungsplätzen, dies motiviert uns weiter.

- In wie fern unterstützen die Studierende Ihre Arbeit? Sind sie dem Wissen gegenüber aktiv, begeistert und engagiert?

- In diesem Sinne gibt es große Unterschiede zwischen den Bildungsformen, da die Vorlesungen weniger interaktiv sind, als die Praktika neben dem Krankenbett. Es ist schwieriger, die Aufmerksamkeit der Studierenden während einer Vorlesung aufrecht zu erhalten, sowas braucht Routine und Tauglichkeit. An einem Praktikum ist ein einfacher, einen träumenden Studierenden zu bemerken, ihn mit einer Frage aufzuwecken. Die deutschen Studierenden sagen oft, wie sehr die Bildung hier von der an ihrer Heimatuniversität unterscheidet. Dort kommt es sehr selten vor, dass ein Dozent sie beim Namen kennt, nicht mal einen Teil der Studierenden. Von daher bedeuten die Kleingruppen von 10-12 Studierenden einen großen Vorteil. Der persönliche Kontakt bedeutet, dass wir sie kennen, wenn sie zu uns zu den Prüfungen kommen. Ich erinnere mich von den Anfängen noch, dass es einen Studierenden gab, der nach dem dritten Jahr nach Wien zu studieren gegangen war, und nach einem halben Jahr zurückkehrte, weil er sich in der Menge verloren fühlte. Der personbezogene Unterricht hat viele Vorteile und wirkt positiv auf die Studierende. Jahre später bekommen wir immer noch Emails, in denen sie uns um Empfehlungsschreiben für Arbeitszwecke bitten, diese ist auch eine Art positives Feedback. 

- Halten Sie sich für einen strengen Dozenten?

- Ja, jedoch versuche ich fair zu bleiben. Ich und meine Kollegen streben nach einheitlichen Bildungszwecke, Erwartungen, und realistischen und korrekten Prüfungsvorgängen. Die Studierende bitten oft um eine Gelegenheit vor der Prüfung, mit uns Patientenuntersuchungen durchzugehen. dafür versuche ich immer, Zeit zu finden, auch wenn es nicht einfach zu lösen ist.

- Ihre Arbeit in den Vorlesungen wurde auch anerkannt, da Sie die Romhányi Plakette zweimal dafür bekommen haben.

- Es ist eine große Ehre für mich, dass ich im letzten und in diesem akademischen Jahr diese Auszeichnung übernehmen durfte. Dieses Jahr erlebte ich eins der größten Erlebnisse meines Lebens, da ich an der Verleihung neben Prof. Szeberényi sitzen durfte. Als Gymnasiast habe ich an einem Vorbereitungskurs für das Studium teilgenommen und er war der Koordinator für diesen Vorgang. Diese Auszeichnung wurde für mehr als 20 Jahren an ihm verliehen, als bester theoretischer Experte in den Vorlesungen, also war es für mich ein besonderes Gefühl, neben ihm zu sitzen und als Kliniker die gleiche Auszeichnung zu erhalten. Sowohl prof. Wittmann als auch Prof. Judit Nagy haben diese Auszeichnung öfters bekommen, die bestätigt, dass ich ausgezeichnete Mentoren hatte, und dies für Kontinuität sorgt.

Ich denke, den Preis habe nicht nur ich als Person, sondern das ganze Klinikum und die Klinik bekommen. Es ist wichtig, hervorzuheben, dass bei der Auswahl die Institute und Kliniken am Anfang der Reihe stehen, die im fünften und sechsten Jahr Kontakte mit den Studierenden haben, und dies bedeutet ein großer Vorteil für uns. Auch die fremdsprachliche Bildung bringt Vorteile, da die Stimmen der Studierende des englischen und deutschen Programms die der ungarischen Studierenden in den Hintergrund rückt. Diese Dozenten machen ihre Arbeit aber genauso gut wie wir.

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