Universität Pécs

Kodex

Im heutigen Gebiet unserer Universität in der Römerzeit während der Herrschaft Kaiser Trajans (98-117 n. Chr.) gegründete Stadt erhielt den Namen Sopianae, die zur Regierungszeit Diocletians (284-305 n. Chr.) Hauptstadt der Provinz Valeria in Unter-pannonien war. Unter kaiser Constatntin (306-337 n. Chr.) war die Stadt bereits Bischofssitz. Um 865 n. Chr. Weihte der Salzburger Erzbischof Liupramm eine Kirche am Fuß des Mecsek-Gebirges. In den über dieses Ereignis berichtenden Überlieferungen wurde erstmals die Bezeichnung "ad quinque (martirum) basilicas" erwähnt, aus der später - so nimmt man an - die Bezeichnung "Quinque Ecclesiae" wurde, die im Sprachgebrauch der mittelalterlichen deutschen Bewohner der Stadt dem Namen Fünfkirchen und im ungarischen Sprachgebrauch dem Namen Pécs entspricht, das vielleicht aus dem slawischen Wort pety-fünf-stammt. König István (Stephan) gründete im Jahr 1009 n. Chr. Erneut ein Bistum in der Stadt, das mit dem Beginn dieser Zeit zu einer Bastion der ungarischen christlichen Kultur des Mittelalters wurde. Der in der Árpáden-Epoche errichtete und in der folgenden Zeit mehrfach umgebaute Dom gilt heute als eine der schönsten Kirchen im neoromanischen Stil in ganz Europa. Im Verlauf der Jahrhunderte hatte sich Pécs zu einer der grössten und bedeutensten Städte im ganzen Land entwickelt. Daß König Nagy Lajos (Ludwig der Große - 1342-1382) gründete in 1367 in unserer Stadt die erste Universität des Landes.

1. Studium Generale Quinqueecclesiense

Für die Gründung einer Universität war eine große Einwohnerzahl notwendig. Diese Voraussetzung erfüllte Pécs, das im bevölkerungsreichsten Bezirk Ungarns, der Baranya, lag. Unter den fast 700 Städten des Landes gehörte Pécs zu den neun, die über Münzstätten verfügte. Das Christentum war fest verwurzelt, die erste Kirche konnte auf eine mehr als tausendjährige Geschichte - wenn auch mit Unterbrechungen - zurückblicken, das ungarische Bistum eine über dreihundertjährige Geschichte vorweisen.
Bei diesem Hintergrund verfügte Papst Urban V., daß in der Stadt Pécs eine Universität "bis auf alle Ewigkeit" mit Fakultäten für kanonisches und römisches Recht und andere Fachrichtungen mit Ausnahme einr theologischen Fakultät eingerichtet werde. Bis zum Ende der Gefangenschaft der Päpste in Avignon um 1379 wurden in Europa 41 Universitaten gegründet, von denen nur neun über vier Fakultäten verfügten. Das Vorhandensein einer Medizinischen Fakultät nehmen wir an. Unserer Student war H. Lurz der Begründer der in diesem Jahre 613 Jahre alt Universität von Erfurt. Die Universität Pécs bestand vielleicht noch bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts. Zur Erinnerung - vielleicht ist auch das als ein ungarisches Schicksall zu bezeichnen - blieben nicht ein Gebäude oder auch nur eine Ruine, sondern ein: Kodex.
Der Inhalt der an der Universität zwischen 1380 und 1390 gehaltenen geistlichen Vorlesungen besass Elemente des ungarischen Christentums. Sie zählen zu den altesten Vorlesungen überhaupt. Die Schicksalswirren unseres Landes finden darin ihren Ausdruck, daß auch dieser genannte Kodex - so wie viele andere historische Belege auch - seinen Platz im Ausland, in München, gefunden hat

2. Academia Istropolitana

Mátyás war der erste König auf dem Thron des Heiligen Stephan (István), den keine Blutsverwandtschaft mit dem Árpádenhaus verband. Der Besitz des großen und im Alter von 47 Jahren gestorbenen Königs übertraf alles bisher Gewesene. "Sein Name war mit dem Ruf verbunden, daß ihn die ganze Welt achtete und fürchtete? und er nach Attila die störrischen Ungarn erneut zum Gehorsam zwang", sagt Bonfini über ihn. Dieser junge Mann - er hatte sich kaum die Krone aufs Haupt gesetzt - leitete sofort die ersten Schritte ein, um die von Nagy Lajos gegründete Universität Pécs zur Jahrhundertuniversität für das ganze Land werden zu lassen. Unter der leitung des Bischofs von Pécs, Janus Pannonius, reiste eine dreihundertköpfige Abordnung zum Papst Paul II., und zwei Jahre später, 1467, nahm die Universität "cum quibuscunque facultatibus" in (Pressburg) Pozsony ihre Tätigkeit auf. Der Erzbischof von Esztergom, János Vitéz, verpflichtete sogar solche Lehrer wie Regiomontanus (János Müller) an die Universität, dessen Arbeit mit dem titel: "Tabulae directionum" 200 Jahre lang unersetzlich für die Vermittlung von Erdkundekenntnissen war. Es ist gut möglich, dass es zur Zeit von Nagy Lajos und Mátyás Hunyadi kein Land gab, das reicher und stärker war als Ungarn, und es gab kaum solche Herrscher wie unsere beiden genannten Könige und Universitätsgründer, die die Wissenschaften und Bildung so förderten.

3. Die Elisabeth (Erzsébet) Universität

Wen wir die Zeit der Mátyás-Epoche betrachten, so ist das Schicksal der von Kaiser Franz Joseph (Ferenc József) erneut in Pressburg (Pozsony) gegründeten Universität vielleicht noch dramatischer als die bereits oben beschriebene Tragödie. Dieser Herrscher glaubte, daß er den Ungarn neben den Universitäten in Budapest und Klausenburg (Kolozsvár) noch eine weitere schuldig war. Zu Beginn der 1910 er Jahre, 444 Jahre nach der Gründung der Universität in Pressburg (Pozsony) durch Mátyás, hielt er die Zeit für die Neugründung der Universität für gekommen. Das Schicksal der nach der wohl schönsten ungarischen Königin benannten Elisabeth (Erzsébet) Universität gestaltete sich, wie schon erwähnt, noch tragischer als das ihrer Vorgängerin, denn sie bestand nicht einmal über den Zeitraum eines Jahrzehnts. Damit reihte sie sich in die tragödienreiche Geschichte unserer Nation ein. Die furchtbarste Tragödie für das Land ist jedoch mit dem Namen Trianon verbunden.
Nach einem fünfjahrigen Herumirren in der ungarischen Hauptstadt gelangte die Universität schließlich in die erste Universitätsstadt des Landes, nach Pécs. Nach der Befreiung von ausländischer Besatzung war es dem Lehrkörper der Universität, der Leitung und der Kulturverwaltung der Stadt möglich, alle Anstrengungen im Interesse der Universität zu unternehmen. Die Euphorie des Beginns schafft Wunder. Innerhalb eines knappen Jahrzehnts wurden praktisch aus dem nichts heraus Voraussetzungen für eine wirklich funktionierende Universität geschaffen. Eine neue Tragödie folgte mit dem Zweiten Weltkrieg. Unter den Professorenpersönlichkeiten der Elisabeth (Erzsébet) Universität ist besonders der Name Béla Entz' hervorzuheben, der sich durch seine Ausstrahlung in bezug auf die geistige Entwicklung ganzer Meidizinergenerationen, seine Menschlichkeit und seine Warhrheitstreue auszeichnete; Eigenschaften, die auch heute noch Vorbilder sind, besonders für Menschen, die für ihre Interessen gegen politisch extreme Kräfte ankämpfen.

4. Die Medizinische Universität Pécs

Zu Beginn des Jahres 1947 unserer Universität - mit zwei Fakultätan - wurde die Universität Pécs. Auf der Grundlage eines Beschlusses aus dem Jahr 1950 erfolgte die Teilung der Universität in zwei voneinander unabhängige Bereiche: in die Medizinische Universität und in die Universität für Rechtwissenschaften (1951). Der letzte Rektor der Universität Pécs war Béla Boros, der letzte Dekan der Medizinischen Fakultät war Kálmán Lissák. Der erste Dekan der zur Universität erhobenen Medizinischen Fakultät wurde - mit den Rechten eines Rektors - im Studienjahr 1951/52 Professor Gyula Méhes.
Die Entwicklung einer den Namen Medizinischen Universität Pécs tragenden Eintrichtung war nur durch die Schaffung eines neuen Universitätsstadtteils denkbar. Ein Gedanke, der bereits einige Jahre zuvor entwickelt worden war. Dafür bot sich eine Fläche zwischen der Szigeti-Strasse-Honvéd-Strasse und Allee der Jugend an. Das Ausbildungsgelände und die Gebäude, die sich im Besitz der Miklós Zrínyi Offiziersschule befanden, wurden der Universität zur Verfügung gestellt. Die gedankliche Konzeption zum Ausbau der Medizinischen Universität war in der Zweiten Amtszeit des Rektors Boros entstanden und der entsprechende Plan wurde 1954/55 vom Universitätsrat gebilligt.
Aufgrund der bekannten innen- und außenpolitischen Ereignisse war das Studienjahr 1956/57 mit besonders großen Hoffnungen verbunden. Die Mehrheit der stundentischen Jugend unserer Universität stand auf der Seite der Revolution und des Freiheitskampfes, und das nicht nur mit Worten. Mit der am 29. Oktober 1956 aufgestellten Einheit zogen 300 Studenten aus Pécs in den Kampf. Nach etwa zehnjähriger Arbeit wurde 20. August 1964 der sogennante Komplex der 400-Betten-Klinik an die Universität übergeben, der Einrichtunger von fünf Fachrichtunger umfasste: Innere Medizin, Chirurgie, Augenheilkunde, Orthopädie und Röntgen. Für die praktische Lehrtätigkeit an der Universität verblieben an sieben verschiedenen Standorten in der Stadt verstreut.
Zur 600-Jahrfeier der Universität im Jahr 1967 zählte die Universität 1147 Studenten, die von 381 diplomierten Lehrkräften ausgebildet wurden. In 14 Kliniken waren 263 Arzte beschäftigt, in den Einrichtungen der 16 Lehrstühle wirkten weitere 118 diplomierte Ausbilder. Von 381 Lehrkäften trugen 24 den Professorentitel, 23 den eines Dozenten (davon fünf Akademiker, acht Doktoren der Wissenschaften und 46 Kanditaten). Wurden in dem Zeitraum von 1945 bis 1950 insgesamt 166 Doktortitel verliehen, so stieg diese Zahl bis 1967 auf 2060 an. In diesem Jahr erfolgte erstmals die bedeutsame Verleihung des Doktortitels an einen 1961 immatrikulierten ausländischen Studenten mit dem Namen Abdul Vahab.
Der neue Baukomplex für die Lehrstühle - mit den daneben errichteten vier kleineren Gebäuden - wurde 1970 fertiggestellt. Dadurch ergab sich für die kommenden Jahre die Möglichkeit, die an fünf Stellen in der Stadt verstreuten Instituten sowie den zentralen Verwaltungsapparat an einen Ort zu verlegen. Es wurden vier Vorlesungsräume und mehrere Dutzend Seminarräume der Universität übergeben (die sogar noch am Ende der 80-er Jahre ausreichten, trotz) der Vermehrung der Lehrstühle auf 20 und des Anstiegs der Anzahl der Zentrallabors, und obwohl sich die Zahl der Lehrkräfte in den Kliniken auf 380 und in den theoretischen Instituten auf 230 Personen (steigerte). In den Kliniken standen 1373 Betten zur Versorgung der Patienten zur Verfügung. Unter den Lehrkräften befanden sich: fünf Akademiker, 29 Doktoren der Wissenschaften, 106 Kandidaten; 46 Professoren und 35 Dozenten.
Die Erweiterung des Gebäudebestandes schuf die Voraussetzungen dafür die Ausbildung der Zahnärzte mit 25 Studenten im Studienjahr 1973/74 anlaufen zu lassen. Die seit dem Jahr 1967 über 16 Betten verfügende Zahnklinik wurde durch einen 1975 errichteten Neubau erweitert. In den fünf Jahrgängen liegt die Studentenzahl bei durchschnittlich 120. 1984 begann das sogenannte "Englische Programm" mit der Ausbildung von 36 Studenten aus mehreren Ländern, von denen 1990 20 Absolventen der Doktortitel verliehen wurde.
Im Jahr 1990 wurde die an unserer Universität eine Hochschule für Gesundheitswesen eröffnet. Im ersten Jahr begannen 122 Studenten ihre Ausbildung in vier Fachrichtungen: Diätetik, Heilgymnastik, Fürsorge und Sozialarbeit. Die ausbildung erfolgt in den Städten: Pécs, Zalaegerszeg, Kaposvár und Szombathely. Im Sinne der Verpflichtungen gegenüber den Traditionen unserer Universität streben wir eine Zusammenarbeit auf neuem Niveau mit der Technischen Hochscule Mihály Pollack und der Janus Pannonius Universität an. Die augenblicklich lockeren Verbindungen zwischen den Partnern wollen wir in Form einer konföderativen Zusammenarbeit weiterentwickeln. Im Interesse eines schnellerene Anschlusses an Europa wurde am 17. August 1991 von dere neuen Leitung der Universität als eine der ersten Massnahmen die Gründung einer Stiftung "Für die Medizinische Wissenschaft in Pécs" vorgenommen. Der Ehrenpräsident ist dr. Otto von Habsburg.

5. Die Universität Pécs - 2000

Auch vier neue Institute nahmen ihre Arbeit auf: das Institut für Hausärzte der Medizinischen Universität Pécs, das Institut für Humangenetik und Embryologie, das Institut für organische und Arzneimittelchemie sowie das Zentrallabor für Elektronenmikroskopie. Eine bedeutende Rolle bei dieser Entwicklung spielt auch die Finanzdirektion der Universität, deren sogenanntes Endofinanzierungssytem für die wirtschaftliche Stabilität unserer Institution sorgt. Im Frühjahr 1998 erwarben wir das (bisher angemietete) Gebäude der Pécser Fachhochschulfakultät. Im November 1998 wurde die komplette Rekonstruktion des Energiesystems der Universität im Wert von 360 Millionen Forint beendet. Die Rekonstruktion weiterer Kliniken ist jedoch noch im Gange wie auch der Bau des traumatologischen Zentrums nebem dem Honvéd Krankenhaus.
Die Finanzierung der Krankenbetreuung sowie der Forschungsvorhaben wurde in den letzten 5-6 Jahren grundlegend geändert. Im wesentlichen ist man hier in Forschung, Schulung und Heilung zum Leistungsprinzip übergegangen. Die Zahl der Széchenyi-Stipendien zur Förderung ausgezeichneter Lehr- und Forschungstätigkeit beträgt 45. Außerdem gibt es 19 vertraglich vereinbarte internationale Forschungs- bzw. Forschungsaustauschprogramme. In den letzten Jahren verbrachten 63 Dozenten, dank privater Iniziativen, insgesamt 494 Monate an ausländischen Forschungseinrichtungen. Somit sind auch eine Vielzahl an persönlichen Kontakten im Ausland entstanden. Dank dieser intensiven Kontakte und infolge der englischsprachigen Ausbildung stehen die Englischkenntnisse der Mehrheit unserer Dozenten auf guten Niveau.
Die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen beläuft sich jährlich auf ca. 600. Ihr "impact factor" beträgt ca. 500 pro Jahr. Von den jährlich durchschnittlich 700 wissenschaftlichen Vorträgen werden etwa 100 auf einer Fremdsprache gehalten. Pro Jahr erhalten 30 Lehrangestellte je 50.000 Ft Unterstützung, um Vorträge auf internationalen Kongressen halten zu können. An unserer Universität gibt es 27 akkreditierte PhD-Programme der Kategorien A bzw. B. Z.Z. studieren bei uns 60 PhD-Studenten mit einem staatlichen Stipendium. Pro Studienjahr können jeweils 20 weitere Studenten aufgenommen werden. Für ihre Forschungsarbeit stehen uns jährlich 30 Millionen Forint zur Verfügung. Die Zahl der PhD-Studenten ohne Stipendium beläuft sich gegenwärtig auf 160. 396 Studenten der allgemeinmedizinischen Fakultät und 152 Studenten der Fachhochschule arbeiten aktiv in wissenschaftlichen Studentenkreisen. Unsere Universität ist akkreditiert für Habilitationen in Medizin, Biologie und Chemie.
Seit dem 1. Juli 2003 ist Prof. Dr. László Lénárd, Direktor des Instituts für Physiologie, Rektor unserer Universität, und Dekan der Medizinische Fakultät ist seit dem 19. Septermber 2006 Prof. Dr. Péter Németh.