Gesundheitsdaten im Dienste der Forschung

15 Juni 2026

Neue Perspektiven für die Forschungsnutzung von Gesundheitsdaten an der Universität Pécs

Die Medizinische Fakultät, das Klinische Zentrum und die Fakultät für Pharmazie der Universität Pécs veranstalteten gemeinsam eine wissenschaftliche Minikonferenz zu den Möglichkeiten der Forschungsnutzung von Gesundheitsdaten. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine institutionelle Zusammenarbeit, die langfristig die strukturierte Datenerfassung, die forschungsorientierte Verarbeitung von Gesundheitsdaten sowie die effizientere Generierung wissenschaftlicher Ergebnisse unterstützen soll.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden von Dr. Andor Sebestyén, Präsident des Klinischen Zentrums der Universität Pécs, begrüßt. In seiner Eröffnungsrede betonte er, dass hochwertige und gut strukturierte Datensätze die Grundlage zukünftiger wissenschaftlicher Publikationen und Zitationen bilden. Darüber hinaus hob er die Bedeutung der institutionellen Zusammenarbeit hervor und verwies auf die Rolle moderner IT- und biometrischer Lösungen bei der Unterstützung datenbasierter Forschungsprozesse.

Den ersten Fachvortrag hielt Dr. Balázs Győrffy, Direktor des Institute of Transdisciplinary Discoveries der Medizinischen Fakultät, unter dem Titel „Das Ende der manuellen Datenerfassung: Automatisierte klinische Datenextraktion und validierte Analytik“. Er stellte das gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen entwickelte CIDER-System vor, das mithilfe großer Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) strukturierte Daten aus klinischen Dokumenten extrahieren kann. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in den Prozess des Dokumenten-Uploads, der automatisierten Datenextraktion sowie der anschließenden Verarbeitung der Daten für Forschungszwecke.

Dr. János Tibor Fekete vom Institute of Transdisciplinary Discoveries präsentierte die Plattformen MetaAnalysisOnline und NetMetaEasy. In seinem Vortrag zeigte er, wie diese webbasierten Werkzeuge die Durchführung konventioneller und Netzwerk-Metaanalysen sowie die vergleichende Bewertung klinischer Evidenz unterstützen können.

Im anschließenden Vortrag stellte Dr. Otília Menyhárt die Forschungsmöglichkeiten auf Basis von Daten der Nationalen Krankenversicherungsverwaltung Ungarns (NEAK) vor. Sie erläuterte den Weg von der ersten Forschungsidee bis zum konkreten Forschungsprojekt – von der Formulierung der Forschungsfrage und der Projektplanung über die ethische Genehmigung und die Datenbeantragung bis hin zu statistischen Analysen und der wissenschaftlichen Auswertung der Ergebnisse. Dabei verwies sie auch darauf, dass die Forschungsgruppe bereits mehrere erfolgreiche Ethikgenehmigungsverfahren durchlaufen hat und somit über wertvolle praktische Erfahrungen bei der Vorbereitung ähnlicher Projekte verfügt.

Anhand verschiedener Beispiele veranschaulichte sie die Einsatzmöglichkeiten von NEAK-Daten in neurologischen, psychiatrischen und onkologischen Forschungsprojekten. Gleichzeitig betonte sie, dass diese Beispiele vor allem der Veranschaulichung dienen sollten, und ermutigte die Teilnehmenden, die vorgestellten Möglichkeiten auf ihre eigenen Fachgebiete und Forschungsfragen zu übertragen. Der Vortrag machte deutlich, dass große Gesundheitsdatenbanken in zahlreichen klinischen und wissenschaftlichen Bereichen neue Forschungsperspektiven eröffnen können.

Zsolt Nagy gab anschließend einen Überblick über die für Forschungszwecke verfügbaren Gesundheitsdatensätze. Er stellte die Forschenden zugänglichen Datenquellen vor und erläuterte die wichtigsten Verfahrensschritte sowie die Dokumentationsanforderungen im Zusammenhang mit Datenanfragen.

Den abschließenden Vortrag hielt Sándor Kovács, Senior Healthcare Data Analyst am Forschungszentrum für Health Technology Assessment und Pharmakoökonomie der Fakultät für Pharmazie der Universität Pécs. Er stellte den aktuellen Stand der Entwicklung einer Gesundheitsdatenplattform vor und erläuterte die für die kommenden Monate geplanten fachlichen Maßnahmen und Arbeitsgruppen, die den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit unterstützen sollen.

Die Vorträge der Konferenz verdeutlichten, dass die strukturierte Erfassung von Gesundheitsdaten, der Einsatz moderner Datenverarbeitungsmethoden sowie die enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen universitären Akteuren wesentliche Voraussetzungen für die datengetriebene Forschung der Zukunft darstellen. Darüber hinaus bot die Veranstaltung eine Plattform für den interdisziplinären Austausch über die Weiterentwicklung der Forschungsinfrastruktur und die Erschließung neuer Möglichkeiten der Datennutzung.

Der fachliche Schwerpunkt der Konferenz sowie ein erheblicher Teil der Vorträge standen in engem Zusammenhang mit den Aktivitäten des Institute of Transdisciplinary Discoveries. Mit seinen Entwicklungen in den Bereichen Datenextraktion, Datenanalyse und methodische Forschungsunterstützung trägt das Institut aktiv zur Stärkung universitärer Forschungskooperationen an der Universität Pécs bei.