Eine neue Studie hat den Zusammenhang zwischen einer nach einer Krebsdiagnose auftretenden Depression und dem Sterblichkeitsrisiko untersucht. Die in der internationalen wissenschaftlichen Fachzeitschrift GeroScience veröffentlichte Studie wurde von Prof. Dr. Balázs Győrffy, Direktor des Instituts für Transdisziplinäre Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Pécs, geleitet.
Die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse fasste die Ergebnisse von 65 früheren Kohortenstudien zusammen, die Darmkrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs und Prostatakrebs sowie gemischte Krebsgruppen untersuchten.
Die Ergebnisse zeigen, dass Depressionen bei allen untersuchten Krebsarten mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden waren. Bei Patientinnen und Patienten mit Depression war das Risiko bei Darmkrebs um 83 %, bei Prostatakrebs um 74 %, bei Lungenkrebs um 59 % und bei Brustkrebs um 23 % erhöht. Über verschiedene Krebsarten hinweg betrachtet, war Depression mit einem 38 % höheren Sterblichkeitsrisiko verbunden.
Mehrere Faktoren könnten zu diesem Zusammenhang beitragen. Depressionen können mit chronischen Entzündungsprozessen, Veränderungen der Immunfunktion und einer gestörten Regulation der Stressreaktion des Körpers verbunden sein. Darüber hinaus können sie die Therapietreue und den Lebensstil beeinflussen. Für Betroffene kann es dadurch schwieriger werden, die onkologischen Behandlungen konsequent einzuhalten; zudem können Bewegungsmangel und andere ungünstige Verhaltensweisen häufiger auftreten.
Wichtig ist jedoch, dass die Ergebnisse einen Zusammenhang zeigen, aber keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beweisen. Bei den in die Analyse einbezogenen Studien handelte es sich um Beobachtungsstudien, die sich hinsichtlich ihrer Methodik, der Patientengruppen und der Erfassung von Depressionen unterschieden. Weitere Untersuchungen sind daher erforderlich.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung, die psychische Gesundheit von Krebspatientinnen und -patienten als integralen Bestandteil einer umfassenden Krebsversorgung zu betrachten. Die Autorinnen und Autoren sprechen sich dafür aus, Depressionen im Rahmen der onkologischen Versorgung regelmäßig zu erfassen und betroffenen Patientinnen und Patienten geeignete psychologische Unterstützung anzubieten.
Literaturangabe:
Ungvari Z, Fekete M, Buda A, Lehoczki A, Fekete JT, Varga P, Ungvari A, Győrffy B. Depression increases cancer mortality by 23–83%: a meta-analysis of 65 studies across five major cancer types. GeroScience. 2025;48:293–309.
DOI: 10.1007/s11357-025-01676-9.