Eine neue umfassende Metaanalyse hat den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch und dem Risiko für Darmkrebs untersucht. Die in der internationalen wissenschaftlichen Fachzeitschrift GeroScience veröffentlichte Studie wurde von Prof. Dr. Balázs Győrffy, Direktor des Instituts für Transdisziplinäre Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Pécs, geleitet.
Die Forschenden führten eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 60 prospektiven Studien durch. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch, verarbeitetem Fleisch und Fleisch insgesamt sowie dem Risiko für Dickdarm-, Enddarm- und Darmkrebs.
Die Ergebnisse zeigten einen konsistenten Zusammenhang zwischen einem höheren Fleischkonsum und einem erhöhten Krebsrisiko. Ein höherer Verzehr von rotem Fleisch war mit einem 18 % höheren Risiko, der Verzehr von verarbeitetem Fleisch mit einem 19 % höheren Risiko verbunden. Auch ein höherer Gesamtkonsum von Fleisch war mit einem 19 % höheren Risiko für Darmkrebs verbunden.
Die Stärke des Zusammenhangs unterschied sich je nach Krebsart. Ein höherer Verzehr von rotem Fleisch war mit einem 22 % höheren Risiko für Dickdarmkrebs und einem 22 % höheren Risiko für Enddarmkrebs verbunden. Für Darmkrebs insgesamt lag der Anstieg bei 15 %. Beim Verzehr von verarbeitetem Fleisch betrugen die entsprechenden Risikoerhöhungen 13 %, 17 % und 21 %.
Welche Mechanismen könnten dahinterstehen?
Mehrere biologische Mechanismen könnten den beobachteten Zusammenhang erklären. Nitrat und Nitrit, die insbesondere in verarbeitetem Fleisch vorkommen, können zur Bildung von Verbindungen beitragen, die DNA-Schäden, oxidativen Stress und Entzündungsprozesse fördern können. Auch Häm-Eisen, das in rotem Fleisch in größeren Mengen enthalten ist, kann an der Bildung potenziell schädlicher Verbindungen beteiligt sein. Darüber hinaus können bei der Zubereitung bei hohen Temperaturen, beispielsweise beim Grillen, heterozyklische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen.
Auch das Darmmikrobiom könnte eine Rolle spielen. Bestimmte Bestandteile von rotem Fleisch können durch Darmbakterien zu Stoffwechselprodukten wie TMAO umgewandelt werden, die mit oxidativem Stress und chronischen Entzündungsprozessen in Verbindung gebracht wurden.
Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass die Ergebnisse einen Zusammenhang zeigen und keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beweisen. Auch andere Faktoren wie körperliche Aktivität, Ballaststoffzufuhr, Übergewicht und die Zusammensetzung des Darmmikrobioms können das Darmkrebsrisiko beeinflussen.
Die Studie unterstützt dennoch bestehende Ernährungsempfehlungen, die eine Reduzierung des Verzehrs von rotem Fleisch und den Verzicht auf verarbeitetes Fleisch nahelegen. Gleichzeitig wird eine Ernährung mit reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Ballaststoffen empfohlen. Neben einer gesunden Ernährung unterstreichen die Autoren auch die Bedeutung regelmäßiger Darmkrebsvorsorge.
Literaturangabe:
Ungvari Z, Fekete M, Varga P, Lehoczki A, Munkácsy G, Fekete JT, Bianchini G, Ocana A, Buda A, Ungvari A, Győrffy B. Association between red and processed meat consumption and colorectal cancer risk: a comprehensive meta-analysis of prospective studies. GeroScience. 2025;47:5123–5140.
DOI: 10.1007/s11357-025-01646-1