Für alles, was ich erreicht habe, bin ich für meine Jahren in Pécs dankbar" Interview mit György Buzsáki

14 April 2021

Dr. György Buzsáki, der seine wissenschaftliche Karriere im Institut für Physiologie der ehemaligen Medizinischen Universität Pécs (POTE) begann, hat eine weltberühmte Karriere erreicht. György Buzsáki hat zusammen mit seinen beiden ungarischen Kollegen Dr. Tamás Freund und Dr. Péter Somogyi 2011 den Brain Prize, der die größte neurowissenschaftliche Anerkennung ist, erhalten und 2020 wurde sein forscherisches Lebenswerk mit dem Ralph W. Gerard-Preis des amerikanischen Verbands der Neurowissenschaften ausgezeichnet. Wir haben mit dem derzeit an der Universität New York tätigen Biggs-Professor über die Jahre in Pécs gesprochen. Dr. Buzsáki wartet in seinem Labor Talentierte Forscher aus aller Welt, und sprach auch über die Essenz der Grastyán-Methode, die er derzeitig auch anwendet.

 

Verfasst von Miklós Stemler

 

- Vor einigen Monaten hatte ich die Gelegenheit, Sie bei einer Online-Diskussion über künstliche Intelligenz mit Neil deGrasse Tyson und mit einem anderen Alumni von Pécs György Tilesch sehen zu können, und mir ist die PTE-Ehrenrobe hinter Ihnen an einem sichtbaren Ort aufgefallen. Wenn ich es richtig denke, deutet dies darauf hin, dass die Universität Pécs und die Verbindung zu Pécs für Sie immer noch wichtig sind.

- Natürlich. Ich glaube, dass jeder stolz auf seine Alma Mater sein sollte, und dies gilt insbesondere für mich, da ich für alles, was ich erreicht habe, für die Jahren in Pécs dankbar bin. Die Prägung besteht normalerweise aus zwei Teilen: einer ist die frühe Kindheit und der andere ist Anfang unseren Zwanzigern. Dies ist der Zeitpunkt, wo unser Weltbild in uns verankert und die Erfahrungen dieser Zeit sind entscheidend, unabhängig davon, ob es sich um Wissenschaft, Religion, Kunst oder Politik handelt. Es wäre schwer alles zu vergessen, was in diesen Jahren in mir verwurzelt sind, aber ich möchte es auch nicht.

- Gehen wir ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit zurück, zu den Jahren in Pécs, aber immer noch zur voruniversitären Zeit. Sie verbrachten Ihre Kindheit in Siófok, dann zogen sie nach Pécs um und Sie haben die Mittelschule schon hier absolviert. Woran erinnern Sie sich aus diesen Jahren?

- Mein Leben hier begann mit einer angenehmen Überraschung. Schon als ich in der Grundschule war, war ich schon vom Funkwesen sehr begeistert, aber in Siófok hatte ich nur ziemlich begrenzte Gelegenheiten. In Pécs öffnete sich plötzlich die Welt für mich. Im damaligen Pionierhaus in Pécs haben wir wundervolle Dinge kostenlos erhalten: Wir konnten uns mit Flugzeugmodellierung beschäftigen und Rundfunk frei machen. Ein weiterer wichtiger Punkt in meiner Jugend war der Ungarische Verteidigungsverband, der zwar eine politische Organisation, aber der keine Propaganda betrieb, und wir konnten dort sehr viel unternehmen: Wir konnten fliegen, Fallschirmspringen, wir konnten Rundfunk machen. Dies alles war für mich sehr wichtig. Natürlich gab es Dinge, die in Siófok besser waren. Zu dieser Zeit gab es noch keine Kunsteisbahn in Pécs, so dass wir im Winter auf einem kleinen Teich in Barbakán Schlittschuh laufen konnten, während wir in Siófok den gesamten Plattensee hatten. Pécs war für mich eine große Stadt mit kulturellen und anderen Möglichkeiten, von denen ich vorher nur träumen konnte.

- Unter diesem Gesichtspunkt kann es sogar als Natürlich scheinen, dass Sie Ihr Studium an der Medizinischen Universität Pécs fortgesetzt haben, aber in der Wirklichkeit war es nicht so einfach: Sie sehnten sich nach Budapest, nach der Technischen Universität, nur konnte dies aus finanziellen Gründen nicht erreicht werden. Es ist zwar eine klischeehafte Frage, aber: Wie wäre es Ihrer Meinung nach gewesen, wenn Sie es geschafft hätten, für eine technische Karriere nach Budapest umzuziehen?

- Ich denke gerne voraus, rückwärts ist es mir schwierig, weil in jedem komplexen Systemen der Anfangszustand die Laufbahn bestimmt. Man kann die Gelegenheit überall finden, aber natürlich spielen die Umstände eine wichtige Rolle: Zum Beispiel es wäre ziemlich unglücklich gewesen, wenn Albert Einstein im Amazonasgebiet geboren worden wäre. Es ist wichtig, die Möglichkeit zu haben, die in unserem Nervensystem gegebenen Dinge zu entfalten. Für meine Studenten hebe ich, halb lustig, zwei Dinge als Voraussetzungen für das Wohlbefinden im Leben hervor: Was uns am besten gefällt und was uns ein bisschen besser als durchschnittlich macht - und dann der nächste Schritt wäre, dafür sogar ein gutes Gehalt zu bekommen.

- Neben dem anhaltenden technischen Interesse waren medizinische Studien möglicherweise zuerst ein Kultur-Schock.

- Jetzt sieht man das natürlich ganz anders, ich erinnere mich daran, dass ich als Neuling darüber verärgert war, dass ich viele Informationen lernen musste, die mir irrelevant erschienen – später waren diese Informationen natürlich sehr nützlich. Gleichzeitig ist meine medizinische Karriere unglaublich breit, und hier entwickelte sich meine weitverbreitete Betrachtungsweise, die ich seitdem für sehr wichtig halte. Ich konnte viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen treffen, vom technischen Bereich über Mathematik bis zur Molekularbiologie, die zu dieser Zeit noch in Kinderschuhen steckten.

- Ich hatte Glück, mit mehreren zu sprechen, die im Institut für Physiologie unter der Leitung von Kálmán Lissák und Endre Grastyán studierten, wo Sie auch relativ schnell eintraten, und die freie Atmosphäre des Instituts – die im damaligen Kádár-Systhem nicht selbstverständlich war - war ein wiederkehrendes Motiv. Wie war es für Sie, hier zu studieren und dann zu forschen?

- Ich meine, dass man die freie Atmosphäre in jedem System finden konnte und, dass sie an Personen gebunden war, die genug Wissen aber keine Angst hatten, dass es sich herausstellt, dass hinter ihnen keine wirkliche Leistung steckt. Es gab und gibt heute auch berühmte Menschen und Professoren, die, wenn wir genauer hinschauen, nicht wissen, warum sie berühmt sind. Glücklicherweise gibt es in der Wissenschaft ein Messmittel: Wie verwenden andere unseren Beitrag? In Pécs gab es mehrere solche Gruppen in den Bereichen Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie, Innere Medizin (und so weiter und so fort), wo Einzelpersonen in den Vordergrund traten, oder waren tonangebend, die mehr als eine Idee hatten und die daher keine Angst hatten, dass diese von ihnen gestohlen werden, oder dass es sich herausstellt, dass sie nicht so klug sind. Sie haben immer die freie Geistigkeit unterstützt, weil nur in einer solchen Atmosphäre eine Gemeinschaft gebildet werden kann, die fähig ist das Maximum anzubieten. Dazu ist es wichtig, dass sich die Menschen sich sicher fühlen. Wir sollen keine Angst haben, dass es hier ein Wettbewerb gibt, dass wir vielleicht Verlierer sein könnten, sondern wir sollen es wissen, dass wir auch Erfolg haben können, natürlich im Verhältnis zu unserer Leistung. Ich habe von Endre Grastyán und von mir selbst gelernt, dass die Formel einfach ist: Wenn ich das erreichen möchte, was die anderen, dann muss ich nur zwei- bis dreimal so viel Arbeit investieren. Kálmán Lissák und Endre Grastyán konnten es sehr gut entscheiden wer zu dieser Atmosphäre passt. Die wissenschaftliche studentische Arbeit war eine großartige Auswahlmethode, und Nachwuchs kam auch von hier.

- Gab es irgendwann einen Moment, in dem Sie sich sagten: Ja, das ist es, womit ich mich mein ganzes Leben lang beschäftigen möchte?

- Es war ein sehr konkretes Erlebnis: der physiologische Vortrag von Endre Grastyán, als ich ihn zum ersten Mal über das Nervensystem sprechen hörte. Ich wusste sofort, dass ja, das ist es was ich auch machen möchte. Das war aber nicht nur für mich genauso: Es gibt viele Wissenschaftler und Künstler, die erzählen, dass eine einzige charismatische Person seine gesamte spätere Karriere bestimmt hat. Wenn eine Universität zwei oder drei charismatische Personen hat, einen gebürtigen Leiter, dann ist diese bereits eine gute Universität, denn es gibt einen Platz, wohin sich interessierte junge Menschen wenden können. Sie studieren nicht nur und haben nicht nur Prüfungen, sondern bekommen auch ein Weltbild. Endre Grastyán war ein echter schulschöpferischer Mensch, sein wahrer Einfluss auf seine Studenten kann gemessen werden: Was wir getan haben, und was wir jetzt tun gehört auch zu ihm. György Romhányi hatte einen ähnlich großen Einfluss auf seine Studenten. Auch ich erlebe täglich, wenn ich in meinem Labor nach hoffnungsvollen jungen Forschern aus der ganzen Welt suche, dass es in ihrer Alma Mater immer eine Person gibt, die sein Leben der Erziehung und Entdeckung von Menschen widmet. Aus ihnen können möglicherweise weltbewegende Geister werden.

- Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, mit der Tochter von János Neumanns Marina von Neuman zu sprechen, und natürlich sprachen wir darüber, wieso ist es möglich, dass einige ungarische Wissenschaftler aus derselben Mittelschule die wichtigsten Figuren des Manhattan-Projekts – das die Weltgeschichte veränderte - wurden. Die Lösung ist hier auch die Arbeiterschaft eines einzelnen Professors, László Rátz.

- Dies erforderte natürlich auch, dass das Fasori-Gymnasium eine lutherische Schule war, an der solche jüdische Schüler, die von katholischen Schulen vertrieben worden waren, zugelassen wurden. So entwickelte sich diese sehr seltene Gemeinschaft. Es gibt natürlich auch andere ähnliche Beispiele: Die weltberühmten Ergebnisse der sowjetischen Physik beruhten auf Stalins sogenannter Verhaftung von Wissenschaftlern am Moskauer Institut für Physik, wo sie nur forschen konnten.

- Glücklicherweise war Pécs und das Institut für Physiologie in Pécs in den 1970er Jahren überhaupt kein Gefängnis. Was sind Ihre wichtigsten persönlichen Erfahrungen aus dieser Zeit?

- Es war sehr wichtig, Endre Grastyán nah zu kommen. Er hatte eine kleine Gruppe, die er sorgfältig auswählte. Sein engerer Kreis bestand aus drei oder vier Personen, mit denen wir im Keller des Instituts zu Mittag aßen. Diese Mittagessen waren sehr wichtig, da neben wissenschaftlichen Fragen auch alles andere besprochen wurde. Es entwickelte sich eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens, die in der damaligen politischen Situation wichtig war: Wir wussten, dass wir hier frei miteinander reden können. Es war eine sehr großzügige Geste von seiner Seite, mich als Student und junge Lehrassistentin in diesem Kreis aufzunehmen. Außerdem schrieb er zu meinem großen Glück zu dieser Zeit seine Dissertation und aus seinen Federn stammten nur perfekte Arbeiten. In diesem Prozess konnte ich sozusagen sein Gehirn arbeiten zu sehen, was eine erstaunliche Erfahrung war. Ich habe viel von ihm gelernt, als er alltägliche Beobachtungen in größere Kontexte und Systeme eingebaut hatte.

- Jetzt sprechen wir über die Mitte der siebziger Jahre, die zweite Hälfte, die Zeit des Kalten Krieges und den Eisernen Vorhang. Die Forscher und Studenten von Pécs waren jedoch bereits zu dieser Zeit wesentlicher Teil des internationalen wissenschaftlichen Lebens, und Sie hatten auch die Möglichkeit, relativ schnell eine längere amerikanische Studienreise zu unternehmen. Wie war das möglich?

- Dies war drei Personen zu verdanken: Kálmán Lissák, Jenő Ernst und seinem Studenten József Tigyi. Jenő Ernst und József Tigyi waren Teil des Partei-Staat-Systems, aber sie waren auch weitsichtige, weltläufige Menschen, gute Leiter, die überall auf der Welt Leiter gewesen wären. Jenő Ernst, der eine wichtige Rolle in der Partei spielte, wurde zu dieser Zeit von Kálmán Lissák vor den Nazis versteckt, was zu einer lebenslangen Verbindung zwischen ihnen führte. So konnte Kálmán Lissák auch im Rákosi-Regime in einer Fliege herumzutrödeln: Er wusste, dass er in Sicherheit ist. Und er hat viel für seine Leute getan, er half ihnen einen Pass zu bekommen, damit wir reisen konnte. Infolgedessen dissidierten viel weniger Menschen aus diesen Kreisen, und manche kamen auch zurück. Die Kreise um Szentágothai waren ähnlich: Er passte sozusagen in das System, ohne sich selbst zu verkaufen. Zum Zeitpunkt meiner Zulassung zum Institut für Physiologie war es neben der wissenschaftlichen Arbeit auch eine große Motivation für mich, dass alle hier ins Ausland gingen, und ich träumte davon, dass mir es gelungen wird westlich vom Lajtá reisen zu können. Das war der persönliche Aspekt, und der berufliche war es, dass unsere Ergebnisse nicht nur in ungarischen wissenschaftlichen Zeitschriften, sondern in irgendeiner Zeitschrift der Welt veröffentlicht werden konnten.

- Die ungarischen Möglichkeiten waren zu dieser Zeit sowohl finanziell als auch technologisch viel eingeschränkter. Sie wurden jedoch im Westen begrüßt und regelmäßig auch in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Wie war es unter solchen ungleichen Bedingungen möglich?

- Schwer (lacht). Wissenschaft ist von zwei Sachen abhängig. Eine davon ist die Organisation: Eine organisierte Kraft ist tausendmal so fähig wie eine unorganisierte. Ein gutes Beispiel dafür war die russische Revolution: Einige Zehntausende Menschewiki übernahmen die Macht vom Zaren, und dann stürmten einige Tausend schrecklich organisierte Bolschewiki zu ihnen und schrieben die Geschichte neu. Dies gilt auch für die Wissenschaft, und wir waren gut darin. Dazu kommen der finanzielle Hintergrund und der Zugang zum Wissen und Ergebnissen von anderen. Wir waren in diesem Bereich im Nachteil, es gab keine gute Bibliothek, keinen persönlichen Kontakt, kein Internet. Wir waren also isoliert, aber das konnte ausgenutzt werden. Am Ende meiner ersten Reise nach Amerika war mir bereits bewusst, dass es sich lohnt in Ungarn solche Experimente durchzuführen, für die nicht mehr Geld und ein größeres Team erforderlich sind, und ich habe sie direkt nicht in Amerika durchgeführt. Aus diesem Grund war ich auch nach meiner Rückkehr nach Pécs sehr produktiv. Außerdem habe ich auch nach meiner Rückkehr nach Amerika eine kleine Universität besucht, an der die etwas isolierte Umgebung für mich sehr passend war. Die Neurowissenschaften sind ein bisschen wie der Wilde Westen: Eine Person findet möglicherweise mehr Gold als eine Gruppe von zweihundert, und ein kleines Labor kann mit etwas Glück eine noch größere Wirkung erzielen als eine Institution von Hunderten. Es gibt spezifische Aufzeichnungen, dass Labore mit 12 bis 20 Personen am effektivsten sind, auch weil dies die Zahl ist, in der alltägliche Gespräche und persönliche Beziehungen am besten funktionieren. Man könnte sagen, dass das Kádár-Regime kein größerer Nachteil für mich war, als wenn ich zum Beispiel in Oklahoma gewesen wäre.

- Nach der zweiten amerikanischen Reise haben Sie sich entschieden, in Amerika zu bleiben, und der Rest ist sozusagen Geschichte. Wie schwierig war diese Entscheidung beruflich und menschlich?

- Meine erste Reise war es wegen Endre Grastyán, ich war ihm schuldig wiederzukommen, und meine Frau hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ihre Studien abgeschlossen, so dass die Reise keine Frage war. Nachdem ich mich im Westen ausprobierte, fühlte ich mich von der Sache angezogen. Zum Zeitpunkt meiner zweiten Reise hatte sich das System nachgelassen, es war bereits die Ära des Gulaschkommunismus, es war einfacher, zu reisen. Über Endre Grastyán sollte man wissen, dass er ein echter Lokalpatriot war: er war nicht nur Ungar, sondern auch Pécser! Ich respektierte es sehr in ihm und er bat mich zu bleiben, und sein Nachfolger an der Spitze des Instituts zu sein. Das fiel natürlich sehr gut für mich, aber ich hatte auch Kontakt zu einem tschechischen Professor, der lange Zeit nach dem Prager Frühling nirgendwo freigelassen wurde. Er sagte zu mir: "Sohn, du schuldest es deinem Talent damit." Ich hatte dann ein langes Gespräch mit Endre Grastyán, und er sah es ein, dass dies tatsächlich der richtige Weg war. Ich sah, dass ich meinem Land besser aus dem Ausland dienen könnte, als wenn ich in Pécs geblieben wäre. Bis heute sehe ich das so: Mehr als hundert junge ungarische Forscher haben sich an mich gewandt, das wäre nicht möglich gewesen, wenn ich hier weitergemacht hätte.

- So wurde seine Verbindung zum ungarischen wissenschaftlichen Leben tatsächlich nicht unterbrochen. Wie haben Sie es geschafft, mit Ihren ehemaligen Kollegen und Freunden in Pécs in Kontakt zu bleiben?

- Rückblickend tut es mir ein wenig leid, dass ich mich damals nicht besser darum gekümmert habe. Dies geschah jedoch überhaupt nicht, weil sich jemand schlechtes Gefühl hätte. Das Institut für Physiologie in Pécs begann, sich mit anderen Forschungsrichtungen zu befassen, sodass junge Leute, die nach Möglichkeiten im Ausland suchten, nicht zu mir kamen. Ich habe eine engere berufliche Beziehung und Freundschaft mit Péter Somogyi und Tamás Freund geschlossen, und ihre Studenten kommen bis heute zu mir. Dann kamen die Leute von Pécs langsam an: Feri Gallyas (Ferenc Gallyas Sr.) kam Anfang der neunziger Jahre dank eines längeren Stipendiums heraus, Lajos Vereczkei, Imre Szabó verbrachten hier einen Sommer, dann Zsolt Horváth, Gábor Jandó

- Das Buzsák-Labor empgängt junge Talente aus aller Welt, und es ist offensichtlich seine Herzensangelegenheit, sie zu umarmen und zu unterstützen. Es scheint mir ein bisschen so, als würden Sie in die Fußstapfen von Professor Grastyán treten.

- Natürlich gibt es einen solchen Aspekt, aber jeder Mensch ist anders, und Endre Grastyán war unnachahmlich. Wir müssen nicht in allen Aspekten unserem Vorbild ähneln. Ich denke, wir haben viel gemeinsam, ich helfe auch gerne anderen, und meine Direktheit ähnelt ihm und der Art, wie ich die großen Zusammenhänge betrachte ist auch ähnlich. Ich sehe aber auch Labore, die anders funktionieren und auch sehr erfolgreich sind. Wissenschaftlicher Erfolg kann in vielen Atmosphären erzielt werden; Für mich ist die Atmosphäre in seinem Institut ein Beispiel, dem ich folgen muss, und bis heute verwende ich die sogenannte „Grastyán-Methode“: gemeinsame Mittagessen. Wir haben auch während der Coronavirus-Epidemie darauf bestanden, und jetzt sind wir wieder normal. Es gibt viel voneinander zu lernen, insbesondere in einer so vielfältigen und mehrsprachigen Umgebung.

- Was würden Sie jungen Menschen raten, die über eine medizinischen Forschungskarriere nachdenken?

- Ich wage es nicht, Ratschläge zu geben, weil jeder Lebensweg anders ist, jeder anders motiviert ist. Am wichtigsten ist es vielleicht, dass man nicht darauf achten sollte, welche wissenschaftlichen Themen es wert sind, angesprochen zu werden, da sie an einem Tag veraltet sein können. Ein junger Wissenschaftler sollte so denken, dass die wichtigste Frage ist, was er stellt, und er sollte daran glauben. Danach sollte man die den vorhandenen Systemen entsprechend gestalten und an die eigene Personalität anpassen. Alle Doktoranden sollten einen Teilbereich finden, in dem sie etwas besser als der Durchschnitt ist. Es wäre eine zu große Zielsetzung zum Beispiel ein Heilmittel für die Alzheimer-Krankheit finden zu können, aber wenn wir zusätzlich zum langfristigen Ziel kleinere, leichter erreichbare Unterziele formulieren, fühlen wir uns vielleicht so jeden Tag näher an die große Zielsetzung heranzukommen. Ohne diese gibt es keine wissenschaftliche Forschung. Ich denke, ein Medizinstudent sollte es für sich überlegen, wie wichtig ihm regelmäßig positives Feedback ist. Wenn ja, dann ist die praktische medizinische Karriere eine großartige Gelegenheit, um Menschen jeden Tag helfen zu können und Erfolg zu haben. Wenn man einen Forscher wie mich fragt, was ich heute entdeckt haben, kratze mich am Kopf und sage nichts oder sehr wenig. Wenn andererseits jemand bereit ist, für seine Ideen zu kämpfen, sich darauf bestehen, dann kann der „Aha-Moment“ kommen, und so war es wert war zehn Jahre lang daran zu arbeiten.

- Wir haben das Gespräch mit dem Ehrendoktorrobe von PTE begonnen, die Sie 2017 anlässlich Ihrer Amtseinführung als Ehrendoktor erhalten haben. Offensichtlich haben Sie immer noch Kollegen und Studenten an der Universität; Wie aktiv sind diese Beziehungen und wie sehen Sie die Atmosphäre, in die Sie sich damals an dieser Universität verliebt haben?

- In diesem Bereich kann man noch Vieles verbessern, und in diesem Bereich bin ich in erster Linie schuldig. Wie ich schon erwähnte, wird meine Forschungsrichtung, von einem kleinen Team in Pécs übernommen, so pflege ich in Budapest und Szeged hauptsächlich engere berufliche Beziehungen. Außerdem betrachte ich mich nicht als einen guten Politiker und Koordinator, daher zögere ich es, Universitätsleitern Ratschläge zu geben, und obwohl die Regierung mich mehrmals als Ratgeber erbeten hat, bin ich auf meinem eigenen Gebiet geblieben. Die Entfernung ist auch groß und ich mein Labor verknüpft mich mit Amerika. Leider kann ich während einer Reise nach Ungarn nicht so viel Zeit in Pécs verbringen, wie ich möchte. Wir arbeiten daran, einige Änderungen in diesem Bereich vorzunehmen.

- Wenn Sie es schaffen, nach Pécs zu kommen, wohin gehen Sie am liebsten, was unternehmen Sie gerne?

- Es kommt darauf an, ob ich allein oder mit meiner Familie nach Pécs reise. Wenn ich allein bin, dann treffe ich mich mit meinen ehemaligen Kollegen und mit meiner Schwester, und wenn ich mit meiner Familie zusammen bin, gehen wir in die Mecsek-Gebirge oder besuchen wir einige gute Konzerte. Ich gehe sehr gerne zum Barbakán und Káptalan Straße spazieren: Die Museen hier sind fantastisch und ich spielte sogar eine winzige Rolle bei ihrem Zustandekommen. Als ich jung war half ich Ferenc Romváry, der die Moderne Ungarische Galerie gründete, ich übersetzte die damalige Publikation der Modernen Ungarischen Galerie und er führte mich in die Welt der Bildenden Künste ein. Gleich zu Endre Grastyán ist er auch ein wahrer Lokalpatriot, und ich schätze ihn deshalb sehr dafür. Ich war sowieso lange Zeit Reiseleiter und versuchte begeistert, die Kathedrale in Pécs als die schönste Kirche der Welt zu popularisieren oder das Csontváry-Museum als etwas Einzigartiges der Welt zu beschreiben. Einige haben dies sogar mir geglaubt, und jeder hat es großartig gehalten, dass jemand, der wirklich daran glaubt, über diese sprach. Es ist bis heute ein wichtiges Erlebnis für mich; Wenn die Menschen, die dort leben, begeistert über ihr Land oder ihre Stadt sprechen, dann sind diese wahrscheinlich großartigen Orte.