Zum ersten Mal in Mittel- und Osteuropa wurde kürzlich an der Klinik für Neurologie des Klinischen Zentrums der Universität Pécs ein fernprogrammierbares, wiederaufladbares System zur tiefen Hirnstimulation implantiert. Das Hirnstimulationssystem, das zur Linderung der Symptome von Parkinson, Dystonie und verschiedenen Tremor-formen beiträgt, wurde in Pécs zum ersten Mal außerhalb der Vereinigten Staaten und Deutschlands eingesetzt.
Während der Tiefenhirnstimulationstherapie kann die durch einen Hirnschrittmacher (Stimulator) abgegebene elektrische Stimulation die Gehirnfunktion normalisieren, was zu einer Linderung der Symptome bei Parkinson, Dystonie und verschiedenen Tremor-formen führt. Die Tiefenhirnstimulation ist ein sicheres Verfahren, das bereits ab dem siebten Lebensjahr bei kindlicher Dystonie (einer Erkrankung, die durch abnormale Muskelkontraktionen, abnormale Körperhaltung, Fehlstellungen der Gliedmaßen und unwillkürliche Bewegungen gekennzeichnet ist) eingesetzt werden kann.
Dr. Norbert Kovács, der medizinische Leiter des Implantationsteams und Professor an der Klinik für Neurologie des Klinischen Zentrum der Universität Pécs, kommentierte dieses revolutionäre Verfahren wie folgt: „Die Einführung wiederaufladbarer Systeme, die fernprogrammierbar sind, stellt einen Durchbruch für unsere Patienten dar, die eine hohe Stimulationsenergie benötigen. Bei Dystonie und Parkinson-Krankheit können diese Systeme Patienten möglicherweise bis zu 20–25 Jahre lang behandeln. Für sie bedeutet dies gleichzeitig den Zugang zu Fernsteuerung und die Vorteile von Systemen zur Tiefenhirnstimulation, die über Jahrzehnte hinweg funktionsfähig bleiben.“
Seit 2001 haben mehr als 500 Patienten, darunter viele Kinder, an der Universität Pécs eine Tiefenhirnstimulation erhalten, ein Verfahren, das von der Sozialversicherung übernommen wird. Lange Zeit konnten die regelmäßige Anpassung und Überwachung des Stimulators nur im Rahmen von persönlichen Untersuchungen erfolgen, was für Patient*innen, die weit von der Klinik entfernt wohnen, eine erhebliche Belastung darstellte.
Im August 2022 wurde an der Klinik für Neurologie des Klinischen Zentrums der Universität Pécs erstmals in Mittel- und Osteuropa ein neues System zur Fernprogrammierung für Patienten eingeführt, die sich einer Neuromodulationstherapie bei chronischen Schmerzen oder Bewegungsstörungen unterziehen. Das Ziel der Fernprogrammierung ist es, die Versorgung von Patient*innen zu verbessern, die sich einer Tiefenhirnstimulation oder Rückenmarksstimulation unterziehen und weit vom Programmierzentrum entfernt wohnen oder aufgrund äußerer Umstände ihren Facharzt nicht aufsuchen können.
Das 2022 in Pécs eingeführte Fernprogrammierungssystem war bislang nur mit nicht wiederaufladbaren Systemen zur Tiefenhirnstimulation kompatibel, die den Nachteil haben, dass der Generator alle drei bis sechs Jahre ausgetauscht werden muss. Im Gegensatz dazu ist das nun erstmals implantierte System zur Tiefenhirnstimulation wiederaufladbar und fernprogrammierbar, was einen enormen Fortschritt darstellt.
Die Parkinson-Krankheit ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung, und ihr Vorkommen hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Diese Erkrankung, die durch Bewegungsarmut, Ungeschicklichkeit und periodisches Zittern gekennzeichnet ist, wird zunehmend bei jüngeren Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter diagnostiziert. Die Krankheit führt sehr oft zu einer vorzeitigen Pensionierung. Die tiefe Hirnstimulation bietet eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität für Parkinson-Patienten, bei denen eine kombinierte medikamentöse Therapie nur begrenzt wirksam ist. Neben der Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität trägt die Behandlung auch dazu bei, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.
Quelle:
PTE