In Ungarn wurde diese neue Operationstechnik erstmals in der Klinik für Kardiologie des Klinischen Zentrums der Universität Pécs eingesetzt, wo sie neben der herkömmlichen Herzschrittmacherbehandlung angewendet wird, um Patienten mit Herzinsuffizienz langfristig zu helfen. Das Verfahren besteht darin, dass die bisherige sogenannte Resynchronisationstherapie durch eine direkte Stimulation des normalen Reizleitungssystems ergänzt wird. Diese Methode hat sich bei vielen Patienten bewährt, die auf die ältere Behandlungsmethode schlecht reagiert haben. Die Ergebnisse der Fachleute aus Pécs haben auch die Aufmerksamkeit des vor allem auf Kardiologie spezialisierten europäischen Großunternehmens Biotronik mit Sitz in Berlin auf sich gezogen, das seit 2025 als Anerkennung für ihre hochkarätige Arbeit mit ihnen als Ausbildungszentrum zusammenarbeitet, derzeit als einziger Partner in Ungarn. Zu ihren begehrten Kursen kommen Fachärzte aus aller Welt.
Verfasst von Rita Schweier
„Das Herz verfügt über ein eigenes elektrisches Leitungssystem, dessen Aufgabe es ist, den elektrischen Impuls sehr schnell in alle Bereiche zu leiten, wodurch eine synchrone Kontraktion des Herzens gewährleistet wird. Dadurch kann die linke Herzkammer die erforderliche Menge Blut in die notwendigen Organe pumpen. Wenn dieses Leitungssystem oder das Gewebe, das den Impuls liefert, beschädigt ist, implantieren wir einen Herzschrittmacher, um die ordnungsgemäße Herzfunktion des Patienten sicherzustellen. Bei der alten, traditionellen chirurgischen Methode wird die Herzschrittmacherelektrode venös an einer Stelle der rechten Herzkammer implantiert, wodurch die Reizleitung zwar erfolgt, jedoch mit erheblicher Verzögerung, wodurch die synchronen Kontraktionen behindert werden. Wenn das Herz eines Patienten über Jahre hinweg so funktioniert, verliert es nach einer gewissen Zeit an Kraft und es kann zu Herzinsuffizienz kommen. Die Aussichten sind noch schlechter, wenn das Herz bereits geschädigt ist. Diese neue Technik hilft dabei, nach der Kartierung des elektrischen Netzwerks des Herzens das Leitungssystem direkt mit der Elektrode zu stimulieren und so die verzögerte Reizausbreitung zu beseitigen”, erklärte Dr. Attila Kónyi, Universitätsdozent an der Klinik für Kardiologie der Klinischen Zentrums der Universität Pécs, Leiter der Herzschrittmacher-Arbeitsgruppe und des Programms in Pécs.
Wie er sagte, kann das Herz an mehreren anatomischen Stellen stimuliert werden: im sogenannten His-Bündel, das vom AV-Knoten ausgeht und die Impulse von den Vorhöfen zu den Kammern weiterleitet, sowie weiter unten im sogenannten linken Tawara-Stamm, der die Impulse vom AV-Knoten zum Kammermuskel weiterleitet. Letzteres wird angewendet, da es technisch einfacher ist und weniger Komplikationen mit sich bringt.

Effektivere, gut verträgliche Behandlung
Die Fachärzte in Pécs haben als erste im Land neben der alten, zusätzlich die sogenannten Resynchronisationstherapie (Cardiac Resynchronization Therapy) neue, sogenannte LOT-CRT-Technik eingesetzt, die weltweit erst 2020 eingeführt wurde, da 30 bis 40 Prozent der Patienten nicht gut auf die herkömmliche CRT-Behandlung angesprochen haben. Der genaue Grund dafür ist bis heute nicht vollständig bekannt, obwohl viele Untersuchungen durchgeführt wurden und es eine umfangreiche Fachliteratur zu diesem Thema gibt. Die mit der neuen Technik durchgeführte Intervention ist jedoch sehr erfolgreich und bei 80 bis 90 Prozent der Patienten wirksam.
„Obwohl die Gerätehersteller rechtzeitig auf die Herausforderung reagiert haben und mit der Entwicklung spezieller Elektroden und Generatoren für diese Technik begonnen haben, ist die Technik noch nicht ausgereift und kann daher nicht als Routineverfahren betrachtet werden. Jeder Patient ist anders, es gibt anatomische Unterschiede, daher ist die genaue Durchführung der Operation oft zeitaufwändig und erfordert neben technischem Wissen auch eine medizinische Herangehensweise, die Sorgfalt und Geduld erfordert. Man muss sich es so vorstellen, dass die Elektrode einen kleinen, einem Korkenzieher ähnlichen Befestigungsabschnitt aus Metall hat, die sogenannte Helix, mit deren Hilfe wir sie tief in die Scheidewand zwischen den beiden Kammern einschrauben können, wo sich das Leitungssystem befindet. Währenddessen überwachen wir den Bereich elektrisch und mit einem Röntgengerät, um sicherzustellen, dass wir die richtige anatomische Position erreicht haben. Manchmal gelingt uns das nicht auf Anhieb, und es kommt auch vor, dass die Scheidewand durchstoßen wird. In solchen Fällen versuchen wir es aus einer anderen Position erneut, bis wir die richtige Stelle für die Elektrode gefunden haben”, fügte Er hinzu.
Prävention und Heilung in einem Verfahren
Die Technik wird bei Herzinsuffizienzpatienten angewendet, deren Leitungssystem geschädigt ist, beispielsweise nach einem ausgedehnten Infarkt. Immer häufiger treten auch Fälle auf, in denen die Herzschädigung nicht auf eine koronare Herzkrankheit zurückzuführen ist, sondern auf eine frühere Myokarditis oder toxische Einflüsse. Auch die bei der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzte Chemotherapie oder Strahlentherapie kann neben dem Herzmuskel auch die Zellen des Reizleitungssystems schädigen. Dr. Attila Kónyi behandelt auch Patienten, bei denen aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Erkrankung die Reizleitung vom Vorhof zum Ventrikel nur schwer oder gar nicht möglich ist, was als vollständiger AV-Block bezeichnet wird. Auch bei ihnen ist diese Technik optimal, da ihre eigene Herzfunktion sehr gering oder vollständig ausgefallen ist, was langfristig zu Herzinsuffizienz führen würde. In ihrem Fall wird sie präventiv angewendet.
„Wir haben die neue Technik Ende 2022 gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Péter Ezer in der Klinik für Kardiologie in Pécs eingeführt. Wir möchten, dass alle unsere Kollegen, die sich mit Herzschrittmacheroperationen befassen, diese Technik erlernen. Einige haben bereits an internationalen Kursen in Deutschland und Spanien teilgenommen, ich selbst habe in Berlin gelernt. Glücklicherweise gibt es mehrere Möglichkeiten, Erfahrungen im Ausland zu sammeln“, sagte Er und fügte hinzu, dass die Technik auch an den anderen Universitätszentren in Ungarn bekannt ist und angewendet wird, aber bisher nur in Pécs unterrichtet wird.
Das Team in Pécs führt jährlich 40 bis 50 Eingriffe durch, was für Ungarn eine hohe Zahl ist. Um das Expertenniveau zu erreichen, müssen die Operateure neben einer entsprechenden Vorausbildung mindestens 20 bis 30 Operationen durchführen.
Immer beliebter werdende Ausbildung, immer mehr ausländische Kollegen
Biotronik verfügt über mehrere Zentren in Europa, in denen ausländische Ärzte diese neue Operationsmethode erlernen können. Sie können sich aus aller Welt bewerben, bisher sind türkische, deutsche und libysche Kollegen in die Herzklinik in Pécs gekommen. Das Programm ist so beliebt, dass die verfügbaren Plätze sofort ausgebucht sind.
„Wir können als Ausbildungszentrum fungieren, weil wir diese Art der Operationstechnik in Ungarn als Erste effizient und gemäß den Anforderungen des Herstellers eingesetzt haben. Dabei wurden mehrere Faktoren berücksichtigt – Patientensicherheit, Präzision, Wirksamkeit – und wir haben alle diese Anforderungen erfüllt“, betonte Dr. Attila Kónyi und fügte hinzu, dass zwar noch keine Langzeitdaten über 5–10 Jahre zur Anwendung der neuen Operationstechnik vorliegen, es jedoch sicher ist, dass die Patienten diese viel besser vertragen als die herkömmliche Herzschrittmacherimplantation.

Erhebliches Prestige, langfristige Vorteile
Die Aufnahme in das Programm bedeutet für die Universität Pécs ein hohes Maß an Prestige. Die Universität stellt die Räumlichkeiten, die Infrastruktur und die Teilnahme der lokalen Ärzte sicher, während Biotronik die Kosten für die dreitägigen Kurse und in einigen Fällen auch die Anschaffung der für die Operationen erforderlichen Instrumente übernimmt.
Wie Er sagte, hat das Programm zahlreiche langfristige Vorteile: Es entsteht ein internationales Beziehungsnetzwerk, gemeinsame Fachtreffen und Gedankenaustausch werden möglich, und nicht zuletzt können gemeinsame Forschungsprojekte ins Leben gerufen werden.
„Im Bereich der Herzschrittmachertherapie gibt es enorme Innovationen, alles wird immer kleiner, immer weniger invasiv, und künstliche Intelligenz gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ich bin mir sicher, dass wir sehr spannende Jahre vor uns haben. Unser Team ist offen für Weiterentwicklungen und Neues und wir werden alles daran setzen, die Genesung unserer Patienten mit den modernsten Verfahren zu unterstützen“, betonte Dr. Attila Kónyi.
Fotos:
Dávid Verébi,
Klinik für Kardiologie